Augenspielraum - anlässlich der Ausstellung in Innsbruck 2007

Zu den Bildern von Anna Kauz

 

Anna Kauz hat jahrzehntelange Erfahrung mit dem Erzählen in Farben. Wenn man ihre Bilder anschaut, speziell die Radierungen, kleinformatige, von farblich zurückhaltenden bis kräftig leuchtenden Bildern, dann tauchen beim Betrachter oder der Betrachterin meist atomatisch Geschichten auf. Trotz der abstrakten Formen in ihren Bildern scheinen da immer Orte zu sein, Elemente wie Wasser und Erde, Pflanzen und Gewachsenes: jedenfalls Lebendiges, Atmendes.

 

Was seit Jahren ihre hauptsächliche Passion und Aufgabe ist, das „Leben mit der in der Farbe“, hat sie unter anderem an der Basler Schule für Gestaltung erarbeitet, wo sie sich in Malerei, Farbgestaltung, Lithografie und Radierung hat unterrichten lassen. Vor allem die Techniken der Radierung, der Malerei (zum Teil mit selbst produzierten Farben aus reinen Pigmenten) und der Pastellkreide sind heute ihre hauptsächlichen Domänen.


Im Atelier mit der eigenen Druckerpresse produziert sie ihre minutiösen Radierungen, eine schwierige und sehr arbeitsintensive Technik, weil sie zu grosser Akribie und Sorgfalt zwingt, die dann doch viele Überraschungen bereit hält: „Wenn ich an einer Radierung arbeite, ist nie genau bestimmt, was am Schluss dabei herauskommt. Wenn ich die gravierte Metallplatte ein zweites Mal einfärbe und noch einmal, vielleicht anders ausgerichtet, auf das schon bestehende Bild drucke, dann gleicht das Blatt an Ende oft mehr dem inneren Prozess des Erschaffens als dem ursprünglich erdachten Bild“ sagt die Künstlerin.

 

Die Motive ihrer Bilder sind fast immer völlig abstrakt und meist sehr einfach auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick werden sie komplexer, irisierend zwischen Realität und Vorstellung: Landschaft oder abstrakter Begriff, Traum oder irdische Begebenheit? Die Bilder changieren zwischen Zeichenhaftigkeit und surrealem Traum, was der Phantasie des Betrachters freien Lauf lässt und Geschichten evoziert.

 

Vielleicht ist das auch einer der Gründe, weshalb Anna Kauz sich mit Literatur im Bezug auf ihre Kunst zu beschäftigen begann. „Gewisse Geschichten, gerade auch die, die sich nicht nur auf einer Ebene der Realität festmachen lassen, faszinieren mich besonders.“ Die Zuggeschichten von Heinz D. Heisl im Buch „Wohin ich schon immer einmal wollte“ sind solche; man kann die Zuggeschichten als wahre Begebenheiten lesen, aber auch als surreale Novellen, manchmal sogar als sinnhafte Metaphern auf politische Zustände. “Kafkaesk“ nennen es die einen, „sprachspielerischer Elan für Skurriles“ die anderen Kritiker. Die Künstlerin hat sich von diesen Geschichten inspirieren lassen, hat den „Reisekoffer“ mit ins Atelier genommen. hat versucht, sich durch sie zu bildnerischen Reisen antreiben zu lassen, die keinerlei präzise Wiedergabe der Geschehnisse sind, sondern vielmehr Assoziationen für Stimmungen, verdichtete Atmosphäre sozusagen. Zeichen dafür sind auch die Namen, die sie den Bildern gegeben hat, die immer aus Wörtern oder Satzfragmenten aus dem Buch „wohin ich immer einmal wollte„ von Heinz D. Heisl entstanden sind: „Die vielen Sprachpartikel stiegen hoch“ oder „Menschenworthäute“, so und ähnlich sind die Titel.

 

An der Vernissage der Ausstellung in der Galerie Sandhofer, treffen denn auch die Bilder der Balser Künstlerin und die Geschichten des Heinz D. Heisl ein weiteres Mal zusammen: Heinz D. Heisl wird Auszüge aus seinem Buch lesen.

 

Die Bilder von Anna Kauz schöpfen aus einem alten Thema der Kunst neu und virtuos: Ihre Landschaften sind genauso als reale Bilder aus unserer Dingwelt zu lesen wie Skizzen aus den inneren Wüsten und Paradiesgärten der Betrachter und Betrachterinnen. Bilder mit viel Spielraum für die Augen und Herzen.

 

Magdalena Kauz