Pressebericht in der Wiler Zeitung vom 16.2.2012

Ein Roman in  Kunst verpackt

Anna Kauz hat sich intensiv mit dem Roman «Der Schachtelmann»des Japaners Kobo Abe auseinandergesetzt. Aus ihrer Faszination für die Geschichte entstanden18 spezielle Bilder.


VON SILVAN MEILE                                            

Anna Kauz schaut aus dem Küchenfenster. Während sie Teeblätter von der Pflanze im Topf auf dem Fenstersims abschneidet, schwärmt sie von der Aussicht. Von ihrer Wohnung im «Roten Gatter» überblickt die 80-Jährige den Stadtweier. Vor rund eineinhalb Jahren ist sie nach Wil gezogen.

«Meine Kinder haben oft gesagt, ich soll in die Nähe ziehen», erzählt sie. Ihr Sohn hatte ihr die Wohnung im geschichtsträchtigen Anbau an den Hof zu Wil schliesslich renoviert und angeboten. Zuvor wohnte sie 42 Jahre lang in Basel. Einen Hauch Baslerdialekt ist der gebürtigen Hembergerin in der Aussprache haften geblieben. Jetzt fühlt sie sich in der Äbtestadt zu Hause. Hier hat sie sich auch ihr Atelier eingerichtet. Künstlerisch tätig ist sie schon seit Jahrzehnten. Zum ersten Mal will sie nun Werke in Wil ausstellen.

 

Vernissage mit Lesung

Anna Kauz hat schon mehrfach in Basel, aber unter anderem auch im italienischen Meran oder in Innsbruck ausgestellt. Für ihre Ausstellung in Wil liess sie sich vom japanischen Roman «Der Schachtelmann» inspirieren. Von der Einfachheit des «Schachtel- manns», der in der entsprechen- den Geschichte als Aussteiger sein Leben fortan in einer Karton-schachtel verbringt, ist Kauz fasziniert. Mit 18 Werken bringt sie diese Faszination zum Ausdruck. Mit unterschiedlichen Materialen und Techniken thematisiert sie die Geschichte. An der   Vernissage wird ihr Sohn César mit einer

Lesung aus dem Werk «Der Schachtelmann» von Kobo Abe den Hintergrund der Werke zu- sätzlich erläutern.

 

«Copy Art» als Eigenkreation

Im letzten Jahr war Anna Kauz nach langer Zeit wieder einmal in ihrer alten Heimat, der Gemeinde Hemberg. «Es ist dort karg geworden», sagt sie. «Auch im hintersten Krachen gehen die Leute zum Grossverteiler einkaufen», schildert sie ihre Beobachtungen. Die Gärten und Obstbäume, wie sie sie aus ihrer Kindheit in Erinnerung hatte, sind verschwunden, die Bauern hauptsächlich auf Milchwirtschaft spezialisiert. Vieles hat sich verän- dert. Mit 15 Jahren ist sie vom Hemberg aufgebrochen, um ein Stellenangebot in der Hauswirtschaft in Kreuzlingen anzunehmen. Über Rorschach und St. Gal-len kam sie nach Herisau. Dann nach Luzern und schliesslich nach Basel, wo sie über vier Jahrzehnte blieb. Dort lernte sie an der Schule für Gestaltung die Grundlagen der Kunst, mit Gegenstands-, Museums-und Aktzeichnen, aber auch mit der Lehre der Farben und Formen sowie Radieren und Lithographie. Später experimentierte sie mit Kopiergeräten, ergänzte die Kopien mit Radierungen und Maltechniken. Daraus entstand schliesslich ihre eigene «Copy Art», die sie nun auch in Wil der Öffent- lichkeit vorstellen möchte.

 

«Mein Schachtelmann», eine Aus- stellung in Gino’s Kunstcafé. Vernissage am Freitag, 17. Februar, um 18 Uhr. Die Ausstellung dauert bis Sonntag, 15. April.


Download
Artikel Wiler Zeitung zum Downloaden
120216 wiler zeitung.pdf
Adobe Acrobat Dokument 513.0 KB