Laudatio zur Ausstellung Anna Kauz und Marco Gorghini in Wil


Der Raum, in dem diese Ausstellung stattfindet, ist speziell, um nicht zu sagen einmalig, drum auch einen speziellen Dank demjenigen, den wir ihn verdanken, nämlich Abt Diethelm Blarer, der dieses Gebäude 1540 für sein Gesinde erbauen liess. Das Gesindehaus hiess "das Haus zum roten Gatter", es hatte nicht nur Wohnkammern, sondern auch ein Gasthaus und eben den Raum, in dem wir hier stehen: Die einfache Kapelle für das Gesinde, die sich fast im originalen Zustand erhalten hat. Dass das Gesinde eine eigene Kapelle hatte, zeugt nicht nur vom grossen Wert, den man ihrer Frömmigkeit beimass, sondern auch von der damaligen Macht und Wohlstand des damaligen Städtchens Wil, dass so eine Gebäude nebst dem prächtigen und mächtigen Hof zu Wil gebaut werden konnte. Die Funktion des Raums hat sich im Lauf der Zeit verändert, der Raum diente auch als Küferei, Spenglerei, Käserei und zuletzt noch als Turnhalle, wovon noch die Haken am Dachstuhl erzählen, woran Turnringe befestigt waren.

 

Die Stiftung Hof, die seit 1990 dafür sorgt, dass die Gebäude erhalten und restauriert werden, hat diesen Raum zwar wohl untersucht, aber inwendig noch nicht restauriert, was mir persönlich sehr gut gefällt: Man sieht sogar an vielen Stellen der Mauer noch, woraus diese ursprünglich gemacht war: Mit Lehm und Stroh zusammengehaltenen Steinen.

 

Zur Kunst: Was verbindet die beiden Künstler Anna Kauz und Marco Gorghini, auch wenn die Bilder auf den ersten Blick verschieden wirken mögen?

 

Erstens verbindet sie dieses Gebäude, in dem sie zufälligerweise beide auch wohnen. Zweitens haben beide eine Katze, die eine schwarz und die andere grau, welche sich leider nicht ganz so gut verstehen wie die beiden Künstler.

 

Drittens: Es gibt einen Bezug in der Art und Weise, wie sie ihre Bilder machen, sozusagen die Freude an guter Technik und reinen Farbpigmenten. Marco mischt seine Farben selber (am Ende ergibt das eine Acryltechnik, aber eben mit besonders fein und auffällig gut gemischten Farben). Anna mischt Farbe ebenfalls in verschiedene Techniken mit reinen Farbpigmenten, verwendet aber auch andere Materialien wie gefundene Fossilien oder Steine in ihren Farbmischungen. In den Copyart-Werken wirkt sie gefundene Papiere und Plastik-Bruchstücke ein, die sie damit "wiederbelebt".

 

Und viertens: Obwohl die Bilder Annas und Marcos auf den ersten Blick sehr unterschiedlich wirken - schon von den Formaten her - haben für mich beide ihre kunsthistorischen Bezüge teils in der abstrakten Kunst, teils aber stark auch in der surrealen Kunst: Dem Surrealen ist eigen, dass es innere Landschaften in äussere verwandelt und äussere in innere: Marco Gorghini sieht innere Landschaften und Begebnisse und stülpt sie sozusagen auf der Leinwand nach aussen. Viele der scheinbar reinen Landschafts-Impressionen von Anna Kauz verraten dagegen bei längerer Betrachtungen mehr Geheimnisse, sie verwandeln sich in Stimmungen, Moods, Geschichten. Sie lassen uns in ihnen reisen.

 

Salvador Dali, eines der erklärten Vorbilder von Marco Gorghini, hat gesagt: «Das Auge ist wirklich etwas Wunderbares. Man muss es so gebrauchen, wie ich es mit meinem getan habe, das zu einem weichen psychedelischen Fotoapparat geworden ist. Ich kann es bestimmen, Aufnahmen zu machen von Visionen meines Geistes.» Und einem der Vorbilder von Anna Kauz, Paul Klee, wird dieses Zitat zugeschrieben: «Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.»

 

Ich freue mich, dass die Visionen und Sichtbarwerdungen der beiden Künstler diesen Raum noch besonderer machen, als er schon ist und wünsche Ihnen viel Spass bei der Betrachtung und dem Gespräch mit den beiden.

 

Dank an die Stadt Will

Dank an die Stiftung zum Hof

Dank an Renate Gorghini (die die Bar betreut während der Vernissage)

Dank an César Kauz, der hier die Möblierung beigesteuert hat und Prosecco und Wein.

 

(Magdalena Kauz am 6.5.2017)

 

Ausstellung Anna und Marco